Mia Sophie Möller Musik- und Bewegungsorientierte Soziale Arbeit

15Mrz/180

Liebe, Beziehungen, Männer, Frauen, Kapitalismus

Liebe, Beziehungen, Männer, Frauen, Kapitalismus. All diese Wörter hängen zusammen, viel mehr, als viele von uns wahrscheinlich vermuten. Und sie sind auch der Grund, für einen immer ausgeprägteren Krieg des Kapitalismus, dessen Produktion von Geschlechter-stereotypischen Produkten nur die Eisspitze ist, im verzweifelten Versuch, die gesellschaftlichen Normen, die für einen erfolgreichen Kapitalismus notwendig sind, wiederherzustellen.

Mit dem Aufkommen des Kapitalismus und damit der Erwartungshaltung an alle Männer - und teilweise auch Frauen, aber in anderer Form - ihre Kraft und ihre Zeit diesem zur Verfügung zu stellen, reagierte die Gesellschaft mit der Errungenschaft der heutigen monogamen Beziehungen. Mann und Frau finden sich, lieben sich, heiraten, bekommen Kinder und leben bis zum Ende ihrer Tage zusammen. Wer alleine ist, ist unglücklich, besteht sein Leben doch allein dem Zwecke dem Kapitalismus zu dienen. Diejenigen jedoch, die trotz oder gerade auf Grund der Mystifikation der Liebe, ihr Glück in einer Beziehung fanden, konnten den Strapazen der täglichen Knechtung durch den Arbeitgeber Herr werden. Die Liebe, die Beziehung und die Familie wurden zum wichtigsten Überlebensmittel im neu geschaffenen Wirtschaftssystem. Um dieser psychischen Problematik gerecht zu werden und das eigene Kapital zu schützen und zu vermehren, war es notwendig, dass die Frau, die Behüterin der Familie, zu Hause blieb, sich um den Haushalt kümmerte und Kinder groß zog - und damit auch den Nachwuchs, der für das Kapital nicht weniger wichtig ist zum Fortbestehen. Schäden in diesem System der Familie sind zugleich auch immer Schäden im System des Kapitalismus. Unglückliche Arbeitskräfte sind weniger produktiv, Veränderungen verursachen nicht zu selten Veränderungen für Unternehmen, was wiederum Kapital kosten.

In den letzten Jahrzehnten kam es jedoch zu einem immer größerem Widerstand gegen das bestehende System. Frauen wollten Karriere machen, gleichgeschlechtliche Paare erkämpften sich das Recht auf Beziehungen und Ehen. Und auch die Einführung des dritten Geschlechtseintrages durch das Urteil des Bundesverfassungsgericht, weicht die vom Kapital erwünschte stereotypische Denkweise immer weiter auf. Die Zahlen der Scheidungen und Trennungen steigen, alternative Beziehungsformen finden immer größerer Beliebtheit, sei es Polyamorie aber auch das System der Fernbeziehungen. Damit steigt auch der Wunsch der Arbeitnehmer*innen auf immer größere Freiheit. Homeoffice um Fernbeziehungen aufrecht zu erhalten, Umzüge nach Scheidungen oder Teilzeit um die Priorität des Privatlebens zu erhöhen.

All dies stellt eine Gefährdung aus Sicht des Kapitals dar. Die Stabilität des Systems schwankt und freiere Menschen kosten diesem mehr Geld. Der Lebenserhaltungtrieb des Kapitalismus verlangt notwendige Maßnahmen zur Gegensteuerung. So ist es kaum verwunderlich, dass es geschlechtsgetrennte Überraschungseier für Jungs und Mädchen gibt, „Hot Chips“ für den Mann und „Creamy Paprika“ für die Frau. Spielzeug wird passend eingefärbt, natürlich pink für Mädchen und blau für Jungs. Auf rosanen Schulranzen findet man Prinzessinnen, den passenden Prinzen in Form diverser Berufe, wie Polizist, Feuerwehrmann und Baggerfahrer auf den Ausführungen für das andere Geschlecht.

Mit aller Macht wird versucht, das alte Bild der romantischen Zweierbeziehungen zwischen Frauen und Männern, die glücklich mit Kindern bis an ihr Lebensende zusammenleben, wieder in die Denkweisen der Menschen und insbesondere des Nachwuchs zu indoktrinieren. Eine Vielfalt an Geschlechtern, Beziehungs- und Lebensformen ist nicht erwünscht.

Der Kampf des Feminismus, der Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Beziehung und der Anerkennung mehr als der bisher verbreiteten zwei Geschlechter ist damit heute so stark wie noch nie auch ein Kampf gegen den Kapitalismus. Nur wenn die eindeutige Rollenverteilung zwischen dem Kapital als Machtinhaber und dem Volk als dienenden Kräften gebrochen wird, kann die Freiheit der Gesellschaft und die Vielfalt der Menschen, ihrer Geschlechter, ihrer Liebe, ihrer Beziehungen und ihrer Einzigartigkeit gewinnen.

hat dir dieser Artikel gefallen?

Dann abonniere doch diesen Blog per RSS Feed!

veröffentlicht unter: Allgemein Kommentar schreiben