Mia goes Soziale Arbeit Neues aus meiner Überzeugungstat Studium

8Mai/170

Überzeugungstat: Studieren ohne Geld

Aktuell arbeite ich als Softwareentwickler*in. Das, was ich auch die 15 Jahre gemacht habe. Nebenbei habe ich mich immer ehrenamtlich in sozialen Bereichen engagiert. Kinder- und Jugendprojekte, als Rettungsschwimmer*in und Schwimmtrainer*in, bei der Unterstützung von queeren Menschen, in antifaschistischen Projekten oder in der Flüchtlingshilfe.

Programmieren hat mir immer Spaß gemacht, das ist auch immer noch so. Was mich aber in den letzten Jahren immer mehr gestört hat, ist, dass es immer mehr nur noch darum geht, das Konto von Investor*innen oder anderen Menschen, die eh schon genug Geld haben, noch mehr zu füllen. Kapitalismus pur.

Seit ich damit angefangen habe, Workshops in diversen Bereichen zu geben, insb. für Jugendliche und junge Erwachsene, wuchs der Wunsch in mir, meinen bisherigen Beruf hinter mir zu lassen, und das, was mir mehr Spaß macht, zum Beruf zu machen. Mir ist natürlich bewusst, dass gerade im sozialen Bereich viel scheiße läuft. So war eins der Haupt"argumente" von Menschen, die mich von der Idee abbringen wollten, die Frage, wie ich denn von einem "gut bezahlten Job in einen schlecht bezahlten" wechseln möchte. Die Antwort ist einfach: Weil Geld mir nicht wichtig ist. Ich möchte Menschen helfen, die Hilfe brauchen und/oder wollen (und nicht im Sinne von "um aus viel Geld noch mehr zu machen"). Ich möchte das machen, womit ich mich wohl fühle. Auch wenn die Arbeitsbedingungen sicher nicht toll sind. Das ist mir egal. Aber ich kann mit einem guten Gefühl nach Hause gehen.

Ich meine, in den letzten Jahren habe ich viel Zeit und viel Geld in oben genannte ehrenamtliche Tätigkeiten gesteckt. Ehrenamtlich, also nicht gegen Geld. Weil ich davon überzeugt war und bin. Das verstehen die meisten Menschen doch auch, warum nicht auch in der Lohnarbeit?

Nun ist es soweit: Ich werde ab Herbst studieren. Soziale Arbeit. Dafür ziehe ich um, lasse viel hinter mir, was ich in meiner Noch-Heimat mir aufgebaut habe. Das tut weh, aber für meine Überzeugung, das zu tun, was ich möchte, ist es nötig. Ich habe meinen Job gekündigt und werde meine Wohnung kündigen.

Und damit kommen wir jetzt an den Punkt, der mir Probleme bereitet: Ich bin über 30 und damit ist es vom Staat nicht vorgesehen, dass ich "die Frechheit" besitze, studieren zu wollen und was anderes zu machen. BAföG gibt es nicht. Das Arbeitsamt bzw. das Jobcenter zahlt auch nicht, denn für Studium ist ja das BAföG-Amt zuständig. Ich kenne zwar ein paar wenige Menschen, die es geschafft haben, trotzdem Hartz 4 zu bekommen, aber die hatten in ohne das Studium kaum bis keine Chance auf dem Arbeitsmarkt. In meinem Noch-Beruf sieht das anders aus. Ab 30 muss man außerdem den vollen Preis bei der Krankenkasse bezahlen - ca 200€ pro Monat. Aus eigener Tasche, wenn man nicht mindestens 451€ brutto im Monat verdient. Nun muss ich vor dem Studium aber noch ein Praktikum machen. Mindestens 6 Wochen. Unbezahlt, versteht sich. Meine normalen Ausgaben habe ich für den Zeitraum weiterhin, plus die 200€ pro Monat für die Krankenversicherung.

In der Stadt, wo ich das Studium machen werde, ist der Wohnungsmarkt katastrophal. Für ein einfaches kleines WG-Zimmer müsste ich mindestens 300€, eher 350€ einrechnen. Natürlich werde ich (irgendwie zwangsweise) neben dem Studium arbeiten. Aber 350€ nur für das Zimmer ist eine Menge. Und sollte ich, warum auch immer, den Job verlieren, steh ich ohne Geld da, aber mit Verpflichtungen wie die Zimmermiete. Realistisch betrachtet: Ich werde mir kein Zimmer leisten können.

Viele Hürden, die viele wahrscheinlich davon abhalten, den Schritt zu wagen (wenn sie nicht gerade eh viel Geld haben, n*e arbeitende*n Beziehungspartner*in oder Eltern, die einem das bezahlen). Aber ich mache es aus Überzeugung und das wird mich nicht davon abhalten.

Der Plan: Ich habe mir einen Wohnwagen gekauft (den ich aber noch bezahlen muss). Einen günstigen, den ich noch für ganzjähriges Wohnen umbauen muss, selber, soviel es geht. Damit bin ich autark und muss im schlimmsten Fall "nur" noch zusehen, wie ich mir Essen, Krankenversicherung und Gas leisten kann. Essen seh ich noch relativ unkritisch. Containern, Foodsharing und Co.

Akut stehen folgende Ausgaben an:

  • 2000€ für den Wohnwagen
  • 650€ für eine Solaranlage (Autark von Stromanschlüssen und der Umwelt zuliebe)
  • 120€ für eine Kompost-Trenn-Toilette (ebenfalls um Autark zu sein und der Umwelt zuliebe)
  • 50€ TÜV plus ggf. 26€ Prüfung der Gasanlage

Weitere Kosten, die nicht ganz akut sind, aber in den nächsten Monaten kommen werden, aber auch noch von den Kosten nicht einschätzbar sind:

  • Verbessern der Isolierung des Wohnwagens um ihn von "wintertauglich" auf halbwegs "winterfest" zu bekommen
  • Sonstige Ausbesserungsarbeiten.

Insgesamt gehe ich aktuell von ca 3500€ Kosten insgesamt aus. Der Vorteil: Ich spare in Zukunft massiv dadurch, dass ich keine Wohnung dauerhaft bezahlen muss. Also insofern ist es insb. ein "in Vorleistung gehen". Hinzu kommen halt die oben genannten Kosten durch meine bisherige Wohnung, Krankenkasse usw. Hier schätze ich 1000-2000€, eine bessere Aufstellung werde ich noch machen.

 

Warum schreibe ich das alles? Relativ einfach: Ich weiß aktuell nicht, wie ich das finanziell stemmen soll. Und da richte ich mich nun an euch. Allerdings habe ich noch ein Problem: Ich helfe super gerne anderen Menschen, nehme aber ungerne selber Hilfe an. Aber ich weiß: ich muss.

Daher möchte ich einen Versuch starten:

Ich bettel online um finanzielle Unterstützung. Aber nicht um es für mich selber zu behalten. Das Geld, das ich bekomme, werde ich nutzen, um den Start ins Studium mir leisten zu können. Danach werde ich durch eingesparte Wohnkosten und Einnahmen durch einen Nebenjob die Kosten langsam wieder reinbekommen. Sobald das der Fall ist, möchte ich jeden Cent, den ich von euch bekomme, spenden. An welchen Verein bzw. welcher Organisation könnt ihr euch selber aussuchen. Freuen würde ich mich über Einrichtungen wie linke Kinder- und Jugendzentren, Flüchtlingshilfen, Menschenrechts- und Tierrechtsorganisationen, Bündnissen gegen Rechts oder linken Antirepressionsgruppen. Wenn ihr keinen konkreten Wunsch habt, könnt ihr es auch mir selber überlassen.

Sollte ich Geld von jemanden bekommen, die*der der rechten oder Querfront-Szene zuzuordnen ist (warum auch immer), oder sollte als Wunsch eine rechte Organisation angegeben werden, werde ich das Geld sofort (also ohne es selber zu nutzen) an eine Flüchtlingshilfe spenden.

Ich werde mich bemühen hier im Blog soviel Transparenz wie möglich zu schaffen.

 

Du möchtest mich unterstützen? Dann erstmal: DANKE DANKE DANKE <3 Ich kann aktuell drei Zahlungsmethoden anbieten: Paypal, Bitcoin und Überweisung. Paypal ist zwar nicht toll, aber einfach. In allen Fällen schickt mir bitte eine E-Mail mit Nennung des Betrages und eurem Wunsch, wohin das Geld später gehen soll (bitte so genau wie möglich, ggf. Webseite, Kontodaten etc.). Nennt bitte die Zahlungsmethode. Bei Überweisung schicke ich euch dann meine Kontodaten zurück.
Für Bitcoins: 18PgEpV7VRowfUR7LeLYVD7rhEKwFQsHvD
Für Paypal hier direkt der Link: paypal.me/yuuji

Ich werde hier im Blog eine anonymisierte Liste der Geldeingänge und Wunschziele führen. Und ich bin sehr gespannt, wie das Projekt läuft 🙂

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