/dev/private Neues aus dem privaten Hinterzimmer

19Nov/140

Liebe Piraten: eine Bürgerin hat ein Anliegen

Liebe Piratenpartei Niedersachsen,

sicher, wir haben uns entschieden getrennte Wege zu gehen. Und als Ex ist das ja immer so eine Sache. Da ist die Stimmung immer etwas gereizter.

Aber in den letzten Wochen hatte ich ein Anliegen. Nicht als Ex-Piratin oder als politisch tätiger Mensch, sondern als Teamerin von SchLAu, eines Vereins, der in Schulen geht und dort queere Aufklärungsarbeit macht. Und als Bürgerin. Denn wir von SchLAu werden seit einiger Zeit massiv angegangen. Unsere Arbeit wird nicht nur kritisiert (was wohl noch in Ordnung wäre), sondern mit unfairen Mitteln in eine Ecke gedrängt, dass es teilweise schwer ist noch unserer Arbeit nachzugehen. Wir hier in Braunschweig sind noch sehr gut weggekommen, in anderen Gegenden Niedersachsens sieht das leider ganz anders aus.

Da werden zum einen Lügen verbreitet. Wir würden Methoden nutzen, bei denen auch ich mich gegruselt habe, als ich gehört habe, wie die funktionieren. Nein, sowas gehört nicht zu unserer Arbeit. Nicht mal irgendwelche, die auch nur in die Richtung gehen. Ach ja, und wir würden diese bei Grundschüler*innen und Kindergartenkindern anwenden. Auch dies ist falsch. Wir gehen erst in Klassen ab dem Jahrgang 6. Eigentlich möchten wir erst ab dem 7. Schuljahr, da die Schüler*innen erst dann soweit sind, aber die Lehrpläne sehen häufig das Themenkomplex Aufklärung in der 6. Klasse vor und nicht bei allen Schulen ist dann ein Workshop erst in der 7. Klasse möglich.

Viel schlimmer finde ich allerdings, dass wir von einigen über Artikel in großen Zeitungen in die Pädophilenecke gestellt werden. Es erschüttert mich, was diese Menschen von uns halten, was sie glauben, wozu wir und auch ich fähig sind. Und es macht eine Diskussion fast unmöglich. Denn ist man erstmal mit diesem Wort gelabelt, ist es schwer dieses wieder los zu werden.

Unterstützung bekommen wir von der rot-grünen Landesregierung, die einen Antrag eingebracht hat, dass Queer Pflichtinhalt in niedersächsischen Schulen werden soll und der uns unterstützt. Das finde ich natürlich klasse.

Nun findet dieses Wochenende eine Demonstration gegen diesen Antrag statt. Offiziell ist es eine Demonstration von "besorgten Eltern". Schaut man sich die Organisatoren an, stellt man schnell fest, dass diese aus dem Umfeld der AfD und der Gruppe kommen, die oben genannte Feldzüge gegen uns anführen.

Natürlich können wir das so nicht stehen lassen. Daher wird es eine Gegendemonstration geben, der sich bereits viele Vereine, aber auch Parteien und Jugendorganisationen angeschlossen haben.

Seit Tagen mache ich hierfür Werbung. Sowohl auf Twitter und Facebook, aber auch per E-Mail an die Mailingliste der Piratenpartei Niedersachsen. Das habe ich gemacht, da ich mich von den Piraten nicht im Hass etc. getrennt habe und ich weiß, dass queere Themen immer auch ein Anliegen der Piraten waren. Leider gab es auf meine E-Mail nicht eine Reaktion.

Als ich auf Twitter darauf hinwies, dass es mich dies traurig macht, bekam ich prompt Antworten. Aber nicht eine, die sich für den Hinweis bedankt. Nein. Ausschließlich Antwort nach dem Prinzip "Ich solle aufhören nachzutreten" und "Selbst ist die Piratin".

Nein, ich habe als betroffene Bürgerin und Ehrenamtliche von SchLAu geschrieben, auf die Problematik hingewiesen und um Unterstützung gebeten!

Queer in der Schule ist seit Monaten ein tagespolitisches Thema in Niedersachsen! Jede Partei, die gewählt werden möchte, sollte sich mit solchen Themen beschäftigen und sich von sich aus einmischen. Eine Meinung haben, diese kundtun! Gerade, wenn man doch zu eben diese Themen eigentlich eine Meinung hat.

Nachdem es gestern erneut ein Hinweis darauf gab, wieder ohne Reaktion, gab es heute einen direkten Antrag an den Vorstand, die Demonstration zu unterstützen. Darauf wurde ich per Twitter von einer dritten Person hingewiesen. Natürlich macht mich es glücklich, dass endlich (4 Tage vor der Demonstration) Bewegung reinkommt. Aber ich habe auch geschrieben, dass es mich traurig macht, dass drei Hinweise notwendig sind und erst ein Antrag dazu führt, dass sich die Piratenpartei Niedersachsen damit beschäftigt. Zumal sie es mit einem Antrag dann sogar müssen.

Und wieder ging es los. Seitens eines Mitglieds des Landesvorstands bekam ich als Antwort:

"Wer will denn Vorstandsassistenz von Euch machen? Ach so, das wär ja was machen, ranten ist einfacher."

 

Ja, man kann sich das Leben einfach machen und sich als Partei aus der Politik raushalten. Solange, bis eine dritte Person einen dazu zwingt. Aber das ist in meinen Augen keine Partei.

Politik findet da draußen statt. Man kann sie nur gestalten, wenn man aktiv auf sie zu geht.

Eine besorgte Bürgerin und Teamerin von SchLAu,

Mia Sophie Möller

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