/dev/private Neues aus dem privaten Hinterzimmer

1Apr/142

Pansexualität – oder auch: Sexismus

Während meiner aktiven Discozeiten (hört sich jetzt so nach "Ewig her" an ;)) war ein großer Teil des männlichen Bekanntenkreises stark transphob. Eigentlich mag ich den Begriff Transphobie ja nicht, ebenso wie Homophobie, da es keine Phobie im eigentlichen Sinne ist. Aber hier passt er ziemlich gut. Diese Personen haben eine wirklich panische Angst vor "Fallen" (sic!) gehabt. Als solche wurden Personen bezeichnet, die äußerlich wie eine Frau aussehen. Eine hübsche Frau. Mit der Mann sich versteht. Und die sich im Bett dann als Kerl rausstellt.

Nun, ich kann sicher irgendwie nachvollziehen, dass dies komisch ist, vielleicht auch ein Schock. Aber die Angst und der Hass, der dort herrschte war schon erschreckend.

Es war auch keine wirkliche Angst, dass man als "schwul" dastehen könnte. Immerhin gab es "Schwule" im selben Freundeskreis. Homophobie war dort kaum präsent. Aber konnte man, wenn man sich auf "so eine Beziehung" einlässt, noch als Heterosexuell bezeichnen?

Heute habe ich das "Problem" andersrum. Lesbische Transfrau und lesbische Menschen, die mit Transfrauen zusammen sind, bekommen immer wieder Fragen gestellt, "wie sich das denn anfühlt" und "ob man dann überhaupt lesbisch sein kann".

Nun könnte man sicher damit argumentieren, dass man ja den Menschen liebt. Sicher ist das so. In dieser Diskussion landet man dann schnell bei Hilfswörtern. Statt Bisexualität kommt dann schnell Pansexualität. Und damit sind wie beim Titel dieses Textes.

Nun, der Wunsch, der hinter diesem Begriff steht, kann ich soweit nachvollziehen. Bisexualität spricht von "Bi", also ZWei. Sicher, es gibt mehr als zwei Geschlechter. Soweit so gut. Und ich fände den Begriff sicher deutlich besser, wenn ich nicht regelmäßig hören würde, dass Personen sich nur deshalb so bezeichnen, weil sie auch auf Transsexuelle stehen. Ebenso werde ich angemacht, wenn ich, als Transsexuelle, mich als bi statt als pan bezeichne. (Kurze Anmerkung: Ich bin irgendwie am Rand zwischen Homosexuell und Bisexuell, daher nutze ich beide Begriffe, teilweise je nach Kontext.)

Wenn ich sagen möchte, dass mir das Geschlecht wirklich egal ist, dann kann ich den Begriff der Pansexualität durchaus nachvollziehen und für mich selber auch benutzen. Aber gerade immer mit diesem Fokus auf Transsexualität lehne ich den Begriff mitlerweile doch deutlich ab.

Ich bin und bleibe lesbisch, egal ob meine Partnerin eine Cisfrau oder eine Transfrau ist. Ich liebe Frauen. Punkt.

Ab wann gilt eine Person als Frau? Oder gar: Ist eine Frau keine mehr, wenn sie auf Grund von Brustkrebs keine Brüste mehr hat? Wenn sie Bartwuchs hat? Das ziehen einer solchen "Grenze" kann nur zur Absurdität führen.

Ich liebe Frauen und dafür muss ich nicht zusätzlich erwähnen, dass Transfrauen natürlich dazu zählen. Ebenso muss ich nicht sagen, dass ich pansexuell bin, nur weil ich Trans*-Menschen nicht ausschließe.

Einen Satz, wie "Ich bin pansexuell, weil ich auch Transsexuelle mag" halte ich für sexistisch. Sicher positiver Sexismus, aber es ist in meinen Augen halt Sexismus.

Und so, wie auch "positiver" Rassismus scheiße ist, ist es auch "positiver" Sexismus. Ich bin eine Frau, möchte als solche behandelt werden und nicht besonders erwähnt werden.

Ja, ich weiß, es ist bis dahin noch ein weiter Weg.

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  • ich

    Nur eine Frage.. wie kommt es, dass du.. eine Frau bist.. aber absolut wie ein Mann aussiehst?

  • Terry Huckleberry

    „Ab wann gilt eine Person als Frau? Oder gar: Ist eine Frau keine mehr,
    wenn sie auf Grund von Brustkrebs keine Brüste mehr hat? Wenn sie
    Bartwuchs hat? Das ziehen einer solchen „Grenze“ kann nur zur Absurdität
    führen.“

    Solche Fragestellungen zeigen, wie schwierig Grenzen im Hinblick auf biologische/körperliche Aspekte von Geschlecht gezogen werden können, weswegen ich als langfristiges Ziel anstrebe, Menschen nicht mehr als „was sie sind“ zu kategorisieren, sondern körperliche Eigenschaften im Sinne von „was jemand hat“ zu nennen (sofern sie überhaupt gerade irgendwie relevant sind). So wie ich zB braune Augen und braune Haare habe, kann ich auch diverse geschlechtsbezogene „Features“ haben, ohne sich daraus aber irgendeine Identät ableiten muss.

    Ich tu mir nämlich auch schwer damit, Frau- bzw. Mannsein nur an körperunabhängigen Dingen festzumachen, sei es nun Kleidung, Präsentation, oder sonstige Aspekte eines „kulturellen Geschlechts“. Denn die Frage, was hier nun genau eine Frau bzw. ein Mann ist, ist ja ebenso schwer zu beantworten, und kann auch auf ein Reproduzieren von Genderstereotypen hinauslaufen.

    Kurzum, als Ideal schwebt mir eine Welt vor, in der Menschen gar nicht mehr als Mann bzw. Frau kategorisiert werden (müssen) und Anziehung und Attraktivität sich ganz einfach von selbst ergibt. Mensch sieht dann eh, zu wem mensch sich hingezogen fühlt, und braucht sich wegen Identitäten keine Gedanken mehr zu machen.