/dev/private Neues aus dem privaten Hinterzimmer

17Sep/130

„Du wählst doch Piraten“

In wenigen Tagen ist die Bundestagswahl und zum Glück beschäftigen sich einige im (erweiterten) Bekanntenkreis auch damit, wen sie denn wählen sollen. Das ist natürlich gut so. Natürlich wissen viele, dass ich Mitglied bei den Piraten bin und dass ich bei der Landtagswahl eben für diese Partei auch angetreten bin.

Was mich in letzter Zeit aber wieder vermehrt "stört", sind Fragen wie "Du wählst doch die Piraten, warum soll ich die wählen?". Der zweite Teil des Satzes ist natürlich ok und die beantworte ich auch gerne. Aber wieso wird regelmäßig angenommen, dass ich die Piraten auch wählen werde? Also warum wird das als Selbstverständlichkeit angesehen?

Ebenso, wieso es als Selbstverständlichkeit angesehen wird, dass ich enttäuscht über das Ergebnis in Bayern bin. Kurz vor der Wahl habe ich auf Twitter 2,3 als Ergebnis getippt und lag dabei, bekanntermaßen, ja dicht am realen Endergebnis.

Zunächst gibts in Deutschland geheime Wahlen. Niemand weiß zum Glück, wie ich gewählt habe. Natürlich kann man davon ausgehen, dass ich mich bei der Landtagswahl selber gewählt habe, aber letztlich weiß das außer mir selber niemand. Ok, ich glaube ich habe ein Foto vom Wahlzettel veröffentlicht 😉 Aber das ist/war meine freie Entscheidung.

Aber die Bundestagswahl ist eine andere Wahl, sogar auf anderer Ebene. Warum wird immer angenommen, dass jemand, der auf Ebene X Partei A wählt, diese auch auf Ebene Y wählt?

Nehmen wir z.B. die CDU. Ich würde sie nicht auf Bundesebene wählen (hey, eine Partei, die ihr ausschließen könnt, bei der Frage, wen ich wählen werde 😉 ). Auch nicht auf Landesebene. Auf kommunaler Ebene ist dies teilweise wieder etwas anderes. Ich habe dort die CDU gewählt (JEHOVA!) und würde sie dort (in dem Ort) ebenfalls wieder wählen. Nämlich in der Gemeinde meiner Eltern. Aber ganz ehrlich, die CDU dort hat mit der Bundes-CDU in meinen Augen nicht viel gemeinsam, außer dem Namen ;). Ich kenne Personen dieses Ortsverbandes, die gut über die Bundespartei am Schimpfen sind. Dort ist es mehr so, dass die, die Politik machen wollen, zur CDU gehen. Außer die sich jugendlich fühlenden Aufmüpfingen (die aber lange lange aus dem Alter raus sind, sich aber weiterhin so präsentieren). Die sind in der Bürgerbewegung dort. Und n paar Hotelier, die sind in der FDP (kein Scherz). Das war da wahrscheinlich schon "immer" so und wird sich wahrscheinlich auch so schnell nicht ändern. Dann wird von einer CDU-Hochburg gesprochen. Mit der CDU hat das aber wenig zu tun... Außer: Eben diese Personen, die der Meinung sind, dass man ja auf allen Ebenen die selbe Partei wählen muss. Aber warum?

Weiteres Beispiel ist die Linke. Ich halte sie durchaus für eine gute Oppositionspartei auf Bundesebene. Auf kommunaler Ebene, nein Danke. Außer es ist irgendwo so ein Fall wie bei meinen Eltern (von denen ich übrigens durchaus noch mehr Beispiele kenne, mit den unterschiedlichsten Parteien oder Parteiunabhängigen Zusammenschlüssen).

Und natürlich ebenfalls beide Stimmen für die gleiche Partei, außer es geht um taktisches Wählen für die Koalition (Grüne Zweitstimme, SPD Erststimme). Aber warum? Ich möchte doch bestmöglichst vertreten werden. Ja, ich weiß, dank Fraktionszwang wählt man ja bei der Erststimme eh die Partei und nicht die Person, sic...

Ich habe in den letzten Tagen diverse Parteien- und Kandidatenchecks gemacht, diverse Wahlprüfsteine gelesen, halt die, die mich interessieren. Ja, ich habe (ein Wunder) große Überschneidungen mit den Piraten, aber es gab durchaus Checks, wo ich jemanden anderes auf Platz 1 hatte.

Ich entscheide mich bei jeder Wahl neu, wen ich wähle. Versuche jedes Mal möglichst objektiv an die Sache ranzugehen und zu schauen, wer auf der Ebene für mich die beste Wahl ist. Auch unter Berücksichtigung des leider existierenden Wahnsinns wie den Fraktionszwang und anderem m(.

Ich fände übrigens toll, wenn man Regierungs- und Oppositionsstimmen hätte (oder noch besser: Wie in vielen kommunalen Räten ganz weg mit dem Regierungsparteien-Blödsinn. Jedes Mal neu an einen Tisch setzen, aber das wird wohl noch deutlich schwieriger). Es gibt Parteien, die hätte ich durchaus gerne drin, aber nicht als regierende Parteien.

 

=> Und wen ich bei der kommenden Bundestagswahl wählen werde, ist und bleibt mein Geheimnis.

 

P.S.: Würde es nicht das gesetzliche Doppelmitgliedschaftsverbot für Landtagskandidaten geben, wäre ich übrigens zur Landtagswahl in zwei Parteien Mitglied gewesen (um genau zu sein, die PARTEI, eine der wenigen außer den Piraten, die die Doppelmitgliedschaft auch erlauben). Dann wäre die Aussage "Du wählst doch Piraten/PARTEI, weil du bist da doch Mitglied" offensichtlich bescheuert gewesen.

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veröffentlicht unter: Allgemein, Piraten Kommentar schreiben