/dev/private Neues aus dem privaten Hinterzimmer

26Mai/130

Prostitution! Ja warum eigentlich nicht?

Hinweis: Dieser Blogeintrag ist aus der Kategorie Provokation

 

Prostitution? Prostitution! Dreht das pubertierende Mädchen jetzt völlig durch? Ich hoffe doch nicht 😉

Gestern habe ich auf der Rückfahrt den Podcast WR172 Prostitution gehört (auf leeren Straßen, wohl dank des Fußballspiels ;)), ein durchaus interessantes Thema, mit dem ich mich dann doch hin und wieder mal beschäftigt habe. Sei es durch mir bekannte (ehemalige) Sexworker*innen im Freundes- bzw. Bekannntenkreis (bevor jemand aufschreit: Ich behaupte, fast alle kennen welche, nur wissen davon wahrscheinlich nicht, eben weil es ein Tabu ist. Ich habe etwas an mir, dass man mir sehr viel anvertraut. Und, was man nicht vergessen darf, die Gruppe der Sexworker ist deutlich größer als "Die da vom Straßenstrich", siehe auch den verlinkten Podcat) , auf die ich hier natürlich nicht weiter eingehen werde, oder durch politische Beschäftigung mit dem Thema.

Allgemein kann man sagen, dass ich auch dem Thema sehr offen gegenüber stehe. Es ist ein Beruf wie jeder anderer. Auch wenn ich jetzt wieder an eine nervige Diskussion mit einer Person denken muss, die sich weigerte es Beruf zu nennen, da es ja kein anerkannter Beruf in der Definition "Beruf" ist, siehe auch Prostituiertengesetz, das aber eh dringend überarbeitet werden muss, auch hier, siehe Podcast. Und ich gebe Carmen definitiv auch recht, dass man Prostitution und Menschenhandel, den es leider definitiv gibt, getrennt betrachten muss. Menschenhandel und Sklaverei existiert und nicht nur im Bereich der Prostitution. Frauen zu Sex zu zwingen, ist Vergewaltigung und keine Prostitution. Aber das ist nicht der, bzw. nicht der Haupt-Grund, warum ich das Thema hier aufgreife. Viel mehr hat mich eine Aussage im Podcast zum Nachdenken gebracht, wo Carmen im Bereich der Trennung von privatem und geschäftlichem Geschlechtsverkehr von Sexworker*innen erzählte, die privat (rein) homosexuell sind und im geschäftlichen (rein) heterosexuell (das "rein" habe ich hier hinzugefügt, da es ansonsten wenig Sinn macht => bisexuell, pansexuell).

Abgesehen davon, dass, wie Carmen auch erzählt, die Kundschaft rein männlich ist, mit Ausnahme der Frauen, die sie als Paar buchen (was mir hier gerade auffällt, sie hat nicht explizit gesagt, dass Paare immer Mann + Frau bedeutet, nur dass Single-Frauen nicht (alleine) kommen), und insofern es rein homosexuelle Sexworkerinnen, die also nur weibliche Kundschaft nehmen, wohl mehr als schwer haben werden, davon zu leben, finde ich das Thema auch auf mich bezogen recht interessant, was ich hier erläutern möchte.

Neben dem Prostitutionsgesetz ist auch das Transsexuellengesetz längst überholt, wobei man dazu sagen muss, dass ersteres gerade mal 11 Jahre alt ist, im Gegensatz zum TSG von 1980. Das sieht man nicht nur daran, dass es dank dem Bundesverfassungsgericht löchriger ist als ein Schweizer Käse. Mein Verfahren zur Vornamens- und Personenstandsänderung läuft aktuell noch. Das erste Gutachten habe ich bereits hinter mir, der zweite Gutachter erwartet mich in 1 1/2 Wochen.

Neben der "allgemeinen" Feststellung, ob die zu begutachtende Person transsexuell ist (ein eigenes Thema mal für sich, ob das überhaupt geht insb. in der Kürze eines Gutachtens), werden auch "lustige" Fragen gestellt. Teilweise mit vollem Ernst, teilweise weil der Gutachter genau weiß, was das Gericht (dank veralteter Gesetze) hören will.

Unter anderem kommt da die Frage, ob man (als Transfrau) schon einmal eine Beziehung zu einem Mann hatte oder ob man sich lesbisch sieht (alles dazwischen ist ja erstmal allgemein und grundsätzlich so eine Sache). Hintergrund ist, dass der Gutachter sicherstellen will/soll, dass hinter der Transsexualität keine unterdrückte Homosexualität steckt. Die Idee dahinter mag, gerade in Hinsicht darauf, dass insb. Schwulsein ja doch zum Teil noch ein Tabuthema ist, ja erkennbar sein, der Umgang damit... lassen wir das, Thema für sich.

Meine Antwort auf die Frage ist immer gleich, aber auch etwas "komplexer". Ich bin bisexuell (also eigentlich pansexuell, aber bei Gutachtern fange ich mit dem Thema erst gar nicht an), ABER 😉 ich kann mir (zumindest aktuell) keine Beziehung (im monogamen, also was man da üblicherweise als Beziehung ansieht - auch Freundschaft ist eine Form der Beziehung - ) Sinn mit einem Mann vorstellen. Um das Thema dann nicht zu komplex werden zu lassen und möglicherweise noch zum Thema Polyamorie abzudriften (nicht dass das Gutachten, dass ich, egal wie das Verfahren endet, selber bezahlen muss) , sage ich dann kurz und knapp: "Ich bin bisexuell, kann mir aber keine Beziehung mit einem Mann vorstellen. Oder anders: Wenns um Beziehung geht rein lesbisch, wenn es um Sex geht bisexuell.". Oder anders gesagt, könnte ich auch einfach sagen: Ich bin lesbisch, aber hätte schon gerne Sex mit Männern.

Im Rahmen von einer polyamoren, offenen oder sonstiger Form von Beziehung, die so etwas zulässt, ist dies natürlich "problemlos" möglich. Und ich behaupte mal frech, dass es wohl auch nachvollziehbar ist und jede*r versteht, dass man als Transfrau (zumindest nach der OP) es durchaus mal ausprobieren ist, wie das ist 😉

 

Nun geht es ja in diesem Text hauptsächlich um das Thema Prostitution... und die Kategorie lautet Provokation...

 

Provokant gefragt: Wenn ich beim Sex mit einem Mann kein Interesse an einer Beziehung habe und es mir nur um Sex und dem Spaß daran geht, warum nicht dafür bezahlen lassen?

Ich mein, wenn es Sexworker*innen gibt, die privat homosexuell sind und geschäftlich heterosexuell, das ganze also funktioniert, warum das nicht ausnutzen? Was ist daran schlimm? Weil es auch in unserer heutigen Gesellschaft weiterhin Tabu ist Sexworker*in zu sein? Wobei das ja auch nur teilweise stimmt, gibt ja durchaus "anerkanntere" Berufe die zur Gruppe der Sexworker*innen gehören. Und einen Blick in diverse Anzeigenblätter (sei es Print oder Online) zeigt ja auch deutlich, dass es einen Markt für Transfrauen, egal ob pre- oder post-OP, gibt. Weil, wenn man der aktuellen Print-Ausgabe des Spiegels Glauben schenkt, freiwillige Sexarbeit ja quasi nicht existiert und das ja gar keinen Spaß macht? Ja warum eigentlich nicht?

Und wenn ich mal so durchrechne, was mich das Transsexuellsein bisher schon gekostet hat und mich in den nächsten Monaten und Jahren noch kosten wird... Sex (mit Männer, ...), Spaß, Geld... was will ich eigentlich mehr?

 

Also lieber Leser: Warum eigentlich nicht? Was spricht dagegen?

 

Am liebsten habe ich Antworten hier in den Kommentaren. Aber ich könnt mir auch gerne per Twitter, Google+, E-Mail oder Privacybox (gibts dafür eigentlich schon eine Alternative?) schicken. Wäre nett, wenn ihr kurz schreiben würdet, ob ich eure Meinungen ggf. anonym veröffentlichen darf. Je nach Menge und unterschiedliche Inhalte würde ich das Thema dann nochmal in einem weiteren Blogpost aufnehmen.

Ich würde mich auch sehr über Meinungen von Sexworkern freuen!

 

PS: Bevor jetzt jemand anfängt mich von irgendetwas abzuhalten, vergesst bitte nicht, dass dieser Text in der Kategorie Provokation steht. Wobei ihr sicher sein könnt, dass ich in so einem Fall die Rolle voll und ganz einnehme und entsprechend pro argumentieren werde. Ich glaube nicht, dass mich dann jemand "umüberzeugen" würde.

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